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ESSAY

Sinkende TV-Quoten in den USA
von Stefan Herget

Vor vier Jahren erreichten TV-Liveübertragungen aus der NHL höhere Zuschauerzahlen als die Basketballspiele der NBA. Die NHL war nahe daran auch den Abstand zu Football und Baseball zu verkleinern.

Und jetzt? Obwohl der Startschuß zu den Playoffs gefallen ist, nähern sich die NHL-Einschaltquoten im amerikanischen Fernsehen eher der Sportart Bowling als einer der drei führenden Sportarten Football, Basketball und Baseball.

Seit Juni 1994, als die New York Rangers im Stanley Cup Finale in sieben packenden Spielen Vancouver besiegten und Houston gleichzeitig in einem einseitigen NBA-Endspiel New York schlug, tendieren beide Sportarten in konträre Richtungen. Vor allem das Comeback von Michael Jordan gab der NBA einen entscheidenden Impuls und die Einschaltquoten stiegen seither um mehr als das Doppelte.

Der TV Sender Fox hingegen, mit dem die NHL 1994 einen neuen TV Vertrag abschloß, sieht sich mit schwindenden TV-Quoten konfrontiert.
Drei 4-0 'sweeps', wie es im Englischen so schön heißt, in den Stanley Cup Finalspielen der letzten drei Jahre und in diesem Jahr ein Olympisches Eishockey-Turnier, daß aufgrund des schlechten Abschneidens der USA und Kanada, jegliche Hoffnung auf eine Steigerung des Interesses zunichte machte.
Hinzu kommt die für US-Amerikaner zunehmend unattraktivere Spielweise mit starker taktischer Ausrichtung auf das Verhindern von Toren. Nicht von ungefähr wurde heuer ein neuer Saisonrekord an Shutouts aufgestellt.
Alles keine Anzeichen die Besserung versprechen.

Fox befindet sich mittlerweile im vierten Vertragsjahr eines 5-Jahres-Vertrages. Seit einem kleinen Zwischenhoch im Jahre 1996 sind die Einschaltquoten um 24 Prozent gesunken!

TV-Macher Ed Goren hat nur wenig Erklärungen parat:

    'Jedesmal, wenn mir jemand sagt, warum die Quoten gut oder schlecht sind, ist diese Aussage nicht haltbar. Ich halte es für einen Fehler, die Ursache für diese Entwicklung an ein oder zwei Punkten festzumachen.'

Die Olympiaunterbrechung ist mit Sicherheit ein Grund. Als Anheizer für die TV-Quoten gedacht, entwickelte sich das Auftreten der Nordamerikaner in Nagano zum Bummerang. Nach den Winterspielen schauten noch weniger zu als vorher!

'Die Olympischen Spiele hätten einen großen Schub bringen können, aber das war nicht der Fall', sagt Goren. 'Doch es war ein lobenswertes Experiment und ich glaube sie(die NHL) sollten es in Salt Lake City erneut probieren.'

Der Zeitpunkt des Einbruches kommt der NHL ziemlich ungelegen, denn schließlich laufen die Verhandlungen für den neuen TV-Vertrag auf Hochtouren.
Der bisherige, im Vergleich zu anderen Sportarten relativ günstige Kontrakt mit US$31 Millionen pro Jahr, sollte eigentlich aufgebessert werden. Doch schlechte Quoten verschlechtern auch die Verhandlungsposition und die Nachfrage anderer TV-Sender hält sich sehr in Grenzen.
Obwohl die NBA und NFL ihre TV-Erträge zuletzt verdoppeln konnten, bleibt man bei der NHL notgedrungen bescheiden. Man hat sich zum Ziel gesetzt eine 20%-ige Erhöhung der TV-Einnahmen zu erreichen.

Fox möchte natürlich seinen Einfluß geltend machen und Änderungen durchsetzen. Die zu übertragenden Live-Spiele sollen nächstes Jahr von Samstag nachmittag auf Sonntag verlegt werden. Mehr Zuschauerinteresse wird erhofft. Außerdem sollen statt sechs maximal zwei oder drei regionale Spiele in einer Woche stattfinden.

Ed Goren hat aber noch andere Vorstellungen:

    'Wir müssen die Wochendspiele zum TV Erlebnis wandeln, diese Spiele müssen sich von den anderen Begegnungen unterscheiden. Ich meine damit den Einsatz von Roboterkameras in Höhe der Eisfläche, die einfach zu teuer sind, um sie bei sechs Spielen in der Woche einzusetzen.'

Die NHL versucht unterdessen verzweifelt neue Regeln zu kreieren, um das Spiel wieder attraktiver zu gestalten.
Doch andererseits wird durch die ständige Erweiterung der Liga mit weiteren Mannschaften das Niveau der Spiele nicht unbedingt besser.

Der us-amerikanische TV-Markt ist halt sehr schwer zufriedenzustellen. Die Leute wollen Action und Tore sehen. Da stellt sich doch die Frage, warum potentiell interessante Märkte wie Deutschland so gut wie komplett von TV-Übertragungen ausgeschlossen sind. Auf diesem Bereich sollte die NHL auch ein Augenmerk legen.

Vielleicht erfüllen aber die Playoffs und vor allem das Stanley Cup Finale endlich wieder die Erwartungen der us-amerikanischen Zuschauer und damit der NHL. (sth)

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