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NHL - LESERREISE Frühjahr 2007

Kontraste der ganz anderen Art!
von Stefan Herget

Detroit und Toronto hießen die Stationen der Eishockey.com NHL-Leserreise vom 28. Februar bis 12. März 2007. Von Seiten des Eishockeysports war ziemlich klar, was 26 NHL-Fans in diesen Tagen erwarten würde: Rasante, interessante, sowie schnelle Spiele, natürlich viele Tore und ein in den Hochburgen Detroit und Toronto frenetisches Publikum. Nicht umsonst nennt sich zum Beispiel Detroit 'Hockeytown', also Stadt des Eishockeys. Jedoch nicht alle Erwartungen diesbezüglich sollten in Erfüllung gehen. Aber eines nach dem anderen.

Die Anreise verlief wieder problemlos ab. Alle Teilnehmer konnten rechtzeitig am Gate begrüßt werden, auch wenn unsere drei Reisenden aus der Schweiz sehr gemütlich eine halbe Stunde vor dem Anflug eintrafen. Neue und alt bekannte Teilnehmer fanden sehr schnell zueinander, so dass eine perfekte Gruppe die Reise antrat. Die gewählte Fluglinie von Air Canada überraschte dann kurz vor der Landung in Toronto mit der Durchsage, dass dies der letzte Flug des Kapitäns vor seinem Ruhestand sei und die Fluggäste keine Angst haben müssen, denn der 1. Offizier könnte den Airbus A330 ebenso sicher herunterbringen, sollte der angehende Pensionär in Tränen ausbrechen. Wer letztendlich die Maschine landete wurde nicht bekannt, wir kamen aber sicher herunter.

Im Flughafengebäude gab es für die wenigen Raucher kein Pardon, denn sofort (nach längerer Wartezeit auf das Gepäck) ging es durch den amerikanischen Zoll und so bestand keine Möglichkeit selbst nach dem langen Flug eine oder mehrere Zigaretten zu rauchen. Die Zeit bis zum Weiterflug nach Detroit wurde erst einmal genutzt, um sich in den verschiedenen Bars des Terminals mit fester und flüssiger Nahrung aufzutanken.
Eine Propeller-Maschine für ungefähr 40 Fluggäste wartete schließlich auf uns und nicht wenige fühlten sich wie in einem Reisebus. Dieser war schließlich fest in unserer Hand. Dass einige nach der Landung über den Spruch der Stewardess, die uns in der sensationellen Stadt von Detroit begrüßte, in Lachen ausbrachen, konnten zu diesem Zeitpunkt noch nicht alle nachvollziehen. Das sollte sich aber ändern.

vor der Joe Louis Arena
in der Joe Louis Arena
und beim Besuch des Trainings

Die große Unbekannte der Reise war abseits des Eishockeys die Stadt Detroit. Während beim Ziel Toronto viele aufgrund dick gefüllter Reiseführer wussten, was in der kanadische Metropole geboten sein würde, gab es über die US-amerikanische Stadt am Lake Michigan bereits im Vorfeld wenig Informationen. Von Seiten der Reiseleitung war klar, worauf wir uns bei diesem Ziel eingelassen hatten, denn außer Eishockey war hier nicht sehr viel geboten. Aber schließlich gehören die Red Wings zu den Topadressen in der NHL.
Inge, unsere Führerin, die uns vom Flughafen abholte und mit dem Bus zum Hotel brachte, war sehr nett und bekannte gleich, dass sie vom Eishockey weniger verstehen würde. Der Busfahrer drehte für uns jedoch gleich eine Runde am 'Joe' - der Spielstätte der Wings - vorbei, ehe er uns zum Hotel brachte. Vorher erzählte uns Inge noch ein paar Dinge zur Stadt. Besonders interessiert nahmen wir zur Kenntnis, dass es in der Downtown eine Schwebebahn (People Mover) gibt, die auf Stelzen fährt und man nach oben sehen muss, um sie zu sehen. Eine äußerst wichtige Erkenntnis, die wohl nur aufgrund der schlechten deutschen Ausdrucksweise zustande kam. Das Einchecken ging dann schnell und während einige in der Bar noch einen oder zwei Absacker tranken und erste Freundschaften schlossen, begaben sich andere müde ins Bett.

Nach der Stärkung des für amerikanische Verhältnisse guten Frühstücksbuffets wurde die Innenstadt erkundet, die aber nicht viel zu bieten hatte. Detroit leidet seit Jahrzehnten unter der Abwanderung der Automobilindustrie, welche der City einst zur Hochblüte verhalf. Es wird in den letzten Jahren versucht, die Downtown wieder aufzubessern, doch so etwas benötigt Zeit. Erste Ansätze sind zu sehen, aber es gibt in der Innenstadt kaum Geschäfte und keine Einkaufszentren. Jede Menge Hochhäuser, wohl frühere Bürogebäude stehen noch leer und zum Abriss bereit. Nachdem es außerdem im Laufe des Tages begann in Strömen zu regnen, zogen sich die meisten Teilnehmer in die wenigen Sportsbars bzw. Restaurants zurück, die vorhanden waren. Das 'Hockeytown', Sportsbar der Franchise und das 'Chelios', Sportsbar von Verteidiger Chris Chelios, sowie das Hard Rock Cafe waren dann in den kommenden Tagen die Orte, wo die meisten Mitreisenden in der freien Zeit zu finden waren. Interessant waren aber auch eine Autoausstellung im Keller des Bürogebäudes von General Motors oder das Henry Ford Museum, das etwas außerhalb der Stadt liegend, von einigen besucht wurde.

Einen besonderen Leckerbissen aus Sicht des Eishockeyfans bekamen wir am 2. März früh, als wir exklusiv die Möglichkeit erhielten, beim ansonsten unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindenden Morning Skate der Red Wings zuzuschauen. Wir wurden sehr freundlich empfangen und alle waren begeistert die Stars beim morgendlichen Training zu beobachten und zu fotografieren. Anschließend bekamen wir noch eine Führung durch die altehrwürdige Joe Louis Arena. So erhielten alle einen interessanten Einblick hinter die Kulissen. Als Trainer Mike Babcock oder Spieler Mathieu Schneider an der Gruppe vorbeiliefen, wurde das von manchen gar nicht registriert. Unser Österreicher Martin schaltete am schnellsten, als Dominik Hasek über eine Türe den Komplex verließ, heftete er sich als Einziger an die Fersen und hatte Erfolg, als der 'Dominator' ihm ein Autogramm gab. Mit einem Gruppenfoto beendeten wir den Vormittag in der Arena. Ein paar Teilnehmer warteten noch am Eingang, um einige Unterschriften zu bekommen und hatten dabei auch Erfolg.

Ein großer Teil nutzte den freien Nachmittag, um ein weiteres Stadion, nämlich das 'Ford Field' zu besichtigen. Die Football Arena für 60.000 Zuschauer ist ein moderner Bau der Superlative und so waren alle, die dieses Angebot nutzen hellauf begeistert.
Am Abend stand das erste NHL-Spiel auf dem Programm. Dabei waren die überforderten Gäste aus Chicago machtlos im einst so umkämpften Derby Schritt zu halten und verloren verdient mit 6-2. Angesichts des klaren Ergebnisses kam im Stadion auch keine so richtige Stimmung auf, was gerade auf diejenigen, die erstmalig ein NHL-Spiel live sahen, etwas enttäuschend wirkte. Trotzdem überwiegte die Begeisterung, die Stars der Red Wings um Kapitän Nicklas Lidstrom einmal live gesehen zu haben.

Da das nächste Spiel erst am Sonntag nachmittag auf dem Programm stand und in der Downtown ohnehin nicht viel geboten war, steuerten wir am Samstag mit Autos zunächst einen Fanshop der Red Wings und schließlich ein riesiges Outlet Center an, wo jeder die Möglichkeit hatte, seine Kreditkarte nach Belieben zu Glühen zu bringen. Von den zahlreichen Angeboten günstige Marken-Bekleidung, Sportartikel oder Reiseutensilien zu erwerben, machten viele regen Gebrauch, so dass nach mehr als drei Stunden Aufenthalt die Kofferräume gut gefüllt waren. Auf der Heimfahrt zeigten sich schon erste heftige Schneeschauer. Als es bei der Ankunft dann ebenfalls sehr stark schneite, entschlossen sich alle auf die geplante Fahrt ins 80 Kilometer entfernte Toledo zum Besuch eines Spiels der Eastern Coast Hockey League (ECHL) zu verzichten. Es war eine vernünftige Entscheidung, wenn gleich sich das Wetter nicht so schlimm entwickelte wie befürchtet und möglicherweise alles "glatt" gegangen wäre.

Am Sonntag zu ungewohnter Zeit, nämlich 12.30 Uhr, begann das Spiel zwischen den Red Wings und der Avalanche aus Colorado. Die Gastgeber wurden schon etwas mehr gefordert, doch es zeigte sich, dass der Aufwärtstrend der Mannschaft aus Denver auch in Detroit anhielt. Mit 4-3 in der Verlängerung entführten die Avs schließlich zwei Punkte.
Zum Abendessen versammelte sich nahezu die ganze Gruppe im Hard Rock Cafe, denn die anderen Ausweichlokalitäten hatten am Sonntag geschlossen. Es tat aber der Stimmung keinen Abbruch und alle waren erwartungsfroh Detroit am nächsten Morgen mit dem 'fliegenden Reisebus' in Richtung Toronto verlassen zu können.

Toronto
Toronto von oben.

Der Wetterbericht hatte uns für Toronto schon vorgewarnt und so landeten wir auch aufgrund der Bedingungen von Schneefall und extremen Temperaturen mit über einer Stunde Verspätung in Kanada. Die kanadische Passkontrolle und der Zoll gingen schnell über die Bühne. Doch auch der anschließende Flughafentransfer benötigte etwas Geduld, denn der Gardiner Express Way, die wichtigste Transferverbindung in der Stadt war gesperrt und so entstand ein Verkehrschaos. Erst später erfuhren wir, dass vom CN Tower herunterfallende Eisplatten die Ursache war. Verständlich, denn es ist wohl kein Vergnügen von einem Stück Eis, das aus über 400 Meter Höhe geflogen kommt getroffen zu werden.
Das Wetter in der Stadt war dann fast während des gesamten Aufenthaltes sehr sonnig, doch alle die wir in Europa mit einem milden Winter zurückgelassen hatten, konnten wir wenigstens später erzählen, was ein richtiger Winter ist. Die Temperaturen fielen in der Nacht bis Minus 25 Grad ab und da die ersten zwei Tage noch eine kräftige Brise durch die Stadt zog, dachte man nach 10 Minuten Laufen im Freien, dass einem die Ohren abfallen würden und der Wind war wie Nadelstiche im Gesicht. Mützen wurden so zu einem begehrten Kaufobjekt. Kein Wunder, dass bei diesen Bedingungen kaum Menschen auf der Straße waren, aber als wir uns in das unterirdische PATH-System (Füßgängerzone unterhalb der Stadt) retteten, wussten wir, wo alle Einwohner abgeblieben waren. Hier wimmelte es nur so. Wir beschlossen schließlich ebenfalls in den Katakomben weiter zu gehen.
Neben den NHL-Spielen bot die Stadt Toronto in der Folgezeit viele Aktivitäten, aber auch das Angebot an Sportsbars und Restaurants war etwas(!) reichlicher als in Detroit. Beliebte Anlaufpunkte waren aber auch hier das Hard Rock Cafe und das "Gretzky", ein Lokal, das im Eigentum von "The Great One" persönlich steht und in dem viele Raritäten aus seiner aktiven Zeit zu sehen sind.

DER CUP
DIE KNEIPE.
DAS SPIEL.

Natürlich stand am zweiten Tag der obligatorische Besuch der "Hockey Hall of Fame" (Lesen Sie hierzu den Extrabericht) an. Ein Bild mit dem Stanley Cup oder das praktische Testen seiner Fähigkeiten als Schütze oder Torwart am Simulationscomputer durfte selbstverständlich nicht fehlen. Die zahlreichen Vitrinen mit Jerseys, Ausrüstung und anderen Sehenswertem, sowie die Ehrenhalle mit allen Trophäen der NHL standen ebenso im Fokus der Teilnehmer.
Am Abend ging es dann in das Air Canada Centre zum Spiel der Maple Leafs gegen Washington. Torhüter Olaf Kölzig hatte sich leider ein paar Wochen vorher ernsthafter verletzt, so dass wir u.a. Caps Stürmer Alexander Ovechkin zu sehen bekamen, der aber wie die Meisten der Gäste sehr blaß blieb. Die Blauen kamen deswegen zu einem ungefährdeten 3-0 Erfolg, der für ihre letztendlich nicht erfüllten Playoff-Hoffnungen wichtig war.

Der nächste Tag stand im Zeichen des Ausfluges nach Buffalo und zu den Niagara Fällen. An zweiterem Platz war aufgrund der Jahreszeit nicht viel los und ein Großteil des Niagara Flusses war noch zugefroren. Doch auch zu dieser Zeit haben die Wasserfälle eingebettet von Eiszapfen und vereisten Felsen ihren Reiz, so dass sich ein ausführlicher Stopp lohnte.
Gegen Nachmittag setzten wir wieder in die USA über und fuhren weiter nach Buffalo, der Stadt in der Thomas Vanek und Jochen Hecht ihre Eishockeykünste präsentieren. Leider konnte über die Teamleitung trotz Kontakte zur NHL kein Treffen mit den beiden arrangiert werden und als am Abend nach dem Spiel eine 3-2 Niederlage gegen Colorado zu Buche stand war die Stimmung in der Kabine auf dem Nullpunkt, so dass auch ein nachträglicher Anlauf scheiterte. Die Rückfahrt gestaltete sich problemlos, wenn gleich das Navigationsgerät der Reiseleiter wegen der Kälte seinen Geist aufgab. Der richtige Weg aus Buffalo heraus und nach Toronto wurde abgesehen von einer kleinen Ehrenrunde in einem Kreisverkehr so ebenfalls gefunden.

Trotz der späten Rückkehr hieß es für die Hälfte der Teilnehmer früh aufstehen, denn sie hatten sich für einen zusätzlichen Ausflug nach Ottawa unter Führung unseres Reiseleiters Robin entschieden, um das Auswärtsspiel der Maple Leafs in der kanadischen Hauptstadt live vor Ort zu sehen. Ein anderer Teil nutzte die vorhandenen Fahrzeuge, um noch ein paar Geschäfte außerhalb Torontos abzuklappern. So wurde unter anderem der "Frozen Pond" angesteuert, wo es Sammlerstücke, wie unterschriebene Bilder, Jerseys usw. gab. In Anbetracht des günstigen Dollar-Kurses wurden dort auch einige Kreditkarten heiß. Am Abend verfolgten dann die "Zurückgebliebenen" das Spiel aus Ottawa in einer Sportsbar live im Fernsehen. Sehr verwunderlich, dass der Torjubel bei Treffern der Senators lauter waren, als bei denen der Leafs.

Am Freitag nutzten 12 Mitreisende die Möglichkeit mit den Autos in den "Vorort" nach Oshawa zu fahren, um das Spiel der Ontario Hockey League zwischen den heimischen Generals und den Belleville Bulls anzuschaun. Das knapp 4.000 Zuschauer fassende Stadion war nahezu ausverkauft und die Gastgeber besiegten die eigentlich besser platzierten Gäste mit 5-1. Eine Galavorstellung lieferte der 16-jährige John Tavares, der schon als kommender Shooting-Star gefeiert wird, weil er in seinem Alter besser als der junge Wayne Gretzky spielt. Der Generals Stürmer schoss in dieser Partie vier Tore und wir dürfen gespannt sein, wie er sich in Zukunft weiter entwickelt.

Am abschließenden Samstag sahen wir dann noch das "Rückspiel" der Begegnung vom Donnerstag, denn die Ottawa Senators waren in Toronto zu Gast. So leicht wie beim "Hinspiel", als die Senators 5-1 gewinnen konnten, wurde es dieses Mal nicht und die Leafs retteten sich mit einem 3-3 in die Verlängerung. Die Hoffnung eventuell noch ein Penaltyschißen zu erleben, erfüllte sich aber nicht, denn Darcy Tucker markierte in der Extraschicht den viel umjubelten Siegtreffer für die Hausherren.

Bei den Niagara Fällen (oben) und begeisterte Fans in der HSBC Arena Buffalo (unten)
Vor und im ScotiaBank Place von Ottawa

Eine erneut gelungene NHL-Reise fand seinen Abschluss und alle Teilnehmer waren sichtlich zufrieden mit dem Erlebten. Mit Detroit und Toronto, aber auch Buffalo wurden Städte besucht, in denen es schwierig ist überhaupt an Karten zu kommen. Dass ein Ziel wie Detroit aber nur den Eishockeyinteressen genügte, war vorher bereits einkalkuliert. Es mussten Kompromisse gefunden werden, denn die Red Wings sind in der NHL eine Topadresse und Toronto hat schließlich für vieles entschädigt. Es waren somit für alle "Kontraste der besonderen Art", die in diesem Jahr geboten wurden.
Der Dank der Reiseleiter gilt allen Teilnehmern. Es hat wieder sehr viel Spaß gemacht, eine Gruppe von 26 NHL-Fans aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz zu führen. Besonderer Dank gilt Olli, Daniel und Albert, die sich als Fahrer zur Verfügung gestellt haben und Frau Stratmann vom Reisebüro Centralflug für die Zusammenarbeit bei der Organisation. Wir würden uns freuen auf ein Wiedersehen mit allen in 2008, aber auch neue Interessenten, die durch diesen Bericht neugierig geworden sind, sind sehr herzlich willkommen.

Alle Fotos von Teilnehmern und der Redaktion.

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