NHL - LESERREISE Herbst 2003
Über Manhattan, die NHL und nackte Tatsachen.
von Stefan Herget
"Was, Ihr kommt nur zum NHL schauen", fragte der verdutzte Grenzbeamte Teilnehmer Dirk angesichts der etwas ungewöhnlichen Begründung des Antrages zur Einreise, um so gleich noch nachzufassen. "Das ist ja interessant. Vor einer halben Stunde sind die Edmonton Oilers hier eingereist und Radek Dvorak war an meinem Schalter hier." Dirk grinste bis über beide Ohren und begann scherzhaft - sehr zur Belustigung des gegenüber sitzenden Grenzbeamten - sofort den vor ihm befindlichen Thresen zu streicheln. Zu diesem Zeitpunkt wusste Dirk nicht, dass er in der kommenden Woche noch genügend Möglichkeiten haben sollte NHL-Spieler nicht nur auf dem Eis, sondern hautnah zu erleben, denn sonst hätte er sich diese 'okkulte' Geste vielleicht gespart. Aber in diesem Moment spürte er offenbar den Hauch von NHL bereits bei der Einreise in der Luft.
Neben Dirk waren weitere 12 Fans dieses Mal ausschließlich aus Deutschland aufgebrochen, um in einer Woche das Mamutprogramm von fünf NHL-Spielen, sowie die touristische Erkundung der Städte New York und Philadelphia, durchzuziehen. Bereits am Abend nach dem Einchecken im Hotel wurde trotz überkommender Müdigkeit die Gelegenheit genutzt, erste Eindrücke der Weltstadt New York zu sammeln. Gemeinsam gingen wir Richtung Times Square, denn nach Hereinbrechen der Dunkelheit gibt es wahrlich kaum ein besseres Schauspiel, als die durch zahlreiche Lichtreklamen taghell erleuchtete Kreuzung zwischen Broadway und siebter Avenue. Nach einem Schlummertrunk in einer Sportsbar (die einen mehr, die anderen weniger) begann die 'Vorbereitung' auf den nächsten Tag.
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Auf der Staaten Island Ferry mit Blick auf die Freiheitsstatue
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Nachdem es in New York sehr schwierig ist mit 13 Leuten durch die Straßen zu ziehen, zogen es logischerweise einige vor Manhattan selbst zu erkunden. Ein Großteil begleitete aber doch die Reiseleitung, als diese um kurz nach halb Acht vom Hotel aus aufbrach. Da zunächst das südliche Manhattan auf dem Programm stehen sollte und wir unweit des Madison Square Gardens an der 34. Straße wohnten, entschlossen wir uns die Metro zu nehmen.
Angesichts des herrschenden Berufsverkehrs war es kein Wunder, dass wir so gleich getrennt wurden, weil Robin und ich es noch in den ersten Zug schafften, während die Anderen wegen Überfüllung draussen bleiben mussten. Kein Problem dachte ich mir und wir warteten an der vereinbarten Station auf die Anderen. Doch dort trafen nur noch Sebastian und Dirk ein, die uns berichteten, dass die Anderen den Zug vorher genommen hatten, aber an dieser Station nicht gesehen wurden.
Welcome to New York. Wir beschlossen uns erst einmal die Börse an der Wall Street anzuschauen und genossen unter George Washington Kaffee und Donuts. Nachdem die Anderen nicht mehr eintrafen, machten wir uns über Ground Zero auf den Weg Richtung Staaten Island Ferry. Nachdem Manhattan so klein ist, konnten wir am Battery Park Wiedervereinigung mit dem Rest der Gruppe feiern, ehe wir den Staaten Island Ferry betraten, der eine kostenlose (in diesem Fall auch unfallfreie) Fahrt an der Freiheitsstatue vorbei beschert und außerdem einen herrlichen Blick auf die Südspitze Manhattans gewähren lässt.
Anschließend durfte aufgrund des sonnigen Wetters der obligatorische Spaziergang über die Brooklyn Bridge nicht fehlen. Auf der anderen Seite angekommen wurde es Zeit den Magen etwas zu füllen und Robins Geheimtipp einer Pizzeria in der Nähe am Fuße der Brücke erwies sich kulinarisch als Volltreffer.
Am Abend stand das erste NHL-Spiel auf dem Programm. Die Edmonton Oilers waren im Madison Square Garden zu Gast und erwiesen sich als die erwartet harte Nuss für die Gastgeber. Trotz einer 2-0 Führung mussten sich die Blueshirts zum Leidwesen der Rangers Fans am Ende mit 4-5 geschlagen geben. Dies hinderte jedoch einige nicht den Abend mit einer kleinen Feier des Sieges oder auch der Niederlage ausklingen zu lassen.
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Gruppenbild der Teilnehmer mit Dennis Seidenberg,
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der Franks Autogrammwunsch gerne erfüllt
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Am nächsten Morgen ging es früh nach Philadelphia. Trotz eines kleinen Umweges trafen wir noch rechtzeitig im Trainingscenter der Philadelphia Flyers ein, wo ab 10.30 Uhr die NHL-Mannschaft in der Haupthalle und ihr Farmteam, die Philadelphia Phantoms in der Nebenhalle trainierten.
Interessiert verfolgten die Teilnehmer die Übungseinheit und nutzten den anliegenden Shop, um sich Fanartikel der Flyers für das folgende Treffen mit Dennis Seidenberg zuzulegen. Bereitwillig wie vorher vereinbart stand Dennis nach dem Training der Gruppe für Autogramme, Fotos und dem einen oder anderen Gespräch zur Verfügung. Äußerst locker präsentierte sich der gebürtige Schwenninger, der sich offenbar freute Besuch aus Deutschland zu bekommen. Frank und Sebastian bekamen sogar einen Schläger geschenkt, den er für sie signierte.
Bei der abendlichen Partie der Flyers gegen die Islanders sei er nicht im Stadion anzutreffen, die sehe er sich lieber im Fernsehen an, wenn er nicht spielt, betonte Dennis gegenüber der Gruppe. Mit den besten Wünschen zum Abschluss, dass Dennis schon bald wieder den Sprung in das NHL-Team schaffen möge, verabschiedeten wir uns und brachen zur Downtown auf, um wenigstens noch ein paar Eindrücke der historischen Stadt zu erhaschen.
Dort wurde aber zunächst das Hard Rock Cafe angesteuert, um eine deftige Mahlzeit zu sich zu nehmen. Frisch gestärkt ließen wir uns von Führer Robin noch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigen, ehe es zurück Richtung Wachovia Centre ging, um das Spiel der Flyers gegen die Mannschaft aus Long Island anzuschauen. Es entwickelte sich eine ansehnliche Partie, welche die Hausherren letztendlich mit 2-1 für sich entschieden. Zufrieden machten wir uns auf den Rückweg nach New York.
Den Mittwoch nutzten viele, um Einkäufen nachzugehen oder weitere Besichtigungen der fazinierenden Stadt vorzunehmen. Alle trafen sich am Abend wieder, um sich erneut über die Straße in den Madison Square Garden zu begeben. Leider hatten wir schon am Vormittag erfahren, dass Mario Lemieux auf Seiten der Penguins wegen Verletzung nicht auflaufen kann. Ein kleiner Wermutstropfen, der jedoch schnell beiseite geschoben wurde.
Die Pittsburgh Fans hatten aber schließlich im MSG keinen leichten Stand, wurden sie doch Zeuge einer deutlichen 6-2 Niederlage und wurden außerdem von etwas kindischen Hinterleuten mit Erdnüssen beworfen. 'Ausschreitungen' konnten jedoch gerade noch verhindert werden. Wenigstens der Wunsch Marc-Andre Fleury im Tor zu sehen ging in Erfüllung. Allerdings erwischte der junge Mann nicht gerade einen Zuckertag.
Den Rangers-Fans Frank und Frank war es egal, denn sie feierten den eigentlich wenig berauschenden Sieg bis in die frühen Morgenstunden, um mit lautstarken 'Let's go Rangers'-Sprechchören ins Hotel zurückzukehren.
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Im Madison Square Garden waren die Pittsburgh Penguins zu Gast.
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Am Donnerstag stand eine von Eishockey.com arrangierte Einladung ins NHL-Büro, das sich in einem Hochhaus an der Avenue of the Americas unweit des Central Parks befindet, an. Nach einigen Sicherheitschecks wurden wir im 47. Stock freundlich empfangen und erhielten neben einem Kurzvortrag über die Aktivitäten der NHL, auch eine exklusive Führung durch die Büroräume (siehe >> Extra-Bericht). Dem einen oder anderen war wohl weniger wohl zu Mute, denn das Hochhaus knatste wegen des draußen herrschenden Windes etwas bedrohlich. Wir kamen jedoch sicher wieder unten an und konnten die Fahrt nach Long Island antreten, um zunächst eine Einkaufsmall anzusteuern.
Frank und Frank suchten dort verzweifelt jemanden, der ihnen ein paar Dollar zahlt, wenn sie sich vor den dort befindlichen Islanders Team Shop hinstellen und zehn Minuten 'Let's go Rangers' rufen. Leider oder zum Glück für den Wachdienst, der die Beiden sicher entfernt hätte, fand sich kein freiwilliger Spender, so dass die Aktion ins Wasser fiel.
Am Abend sollten wir dann der Begegnung New York Islanders gegen die Montreal Canadiens im Nassau Veterans Memorial Coliseum beizuwohnen. Das Stadion, welches von außen ein sehr bescheidenen Eindruck machte, überraschte innen dann doch Einige. Auch die Stimmung unter den nur knapp 12.000 Zuschauer war teilweise nicht ohne und weitaus besser als in mancher ausverkauften Spielstätte. Die Islanders konnten das kampfbetonte Spiel sehr zur Freude ihrer Fans mit 3-1 für sich entscheiden.
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Nach dem Training (oben) nahmen sich die Islanders Zeit.
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zu Gruppenfotos (hier Dave Scatchard) oder.
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um Autogramme zu geben. Hier lässt sich Albert sein Jersey von Mike Peca verschönern.
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Am Freitag trennte sich die Gruppe erneut. Während Uwe seiner Martina zum Einkaufen folgen 'musste', brachen Robin, Frank und Frank, Jürgen, Michael und Roberto zum Rangers Training nach Tarrytown nördlich von Manhattan auf. Dirk, Albert, Sebastian, Martin und ich fuhren nochmals nach Long Island, um den Islanders beim Training zuzuschauen.
Meine Anfrage beim Teammanagement nach Autogrammen für meine Begleiter fand sofort Gehör und nach der Einheit kamen alle Spieler einschließlich der Stars Alexei Yashin und Michael Peca und unterschrieben bereitwillig Trikots, Media Guides und andere mitgebrachte Utensilien. Eine sehr nette Geste der Islanders.
Wenig erfolgreicher gestaltete sich der Ausflug zu den Rangers, wo die Gruppe trotz vorheriger Nachfrage und entgegen gängiger Praxis nicht zum Training vorgelassen wurde und unverrichteter Dinge wieder umkehren musste (siehe >> Kommentar).
Am Abend brachen acht Wackere gen New Jersey auf, um den einzigen freien Abend mit NBA-Basketball zu füllen und die New Jersey Nets im Lokalderby gegen die New York Knicks zu beobachten.
Die Reise neigte sich langsam dem Ende zu, aber das Highlight stand uns noch bevor. Am Samstag um 13 Uhr mussten die New York Rangers zum ersten Mal in dieser Spielzeit beim Lokalrivalen, den New Jersey Devils antreten. Es entwickelte sich erwartungsgemäß ein hitziges Duell nicht nur zwischen den Fans, wo einige sogar nackte Tatsachen (Hinterteile) zeigten, um auszudrücken, was sie vom Gegner halten, sondern auch zwischen den Spielern, die sich mehreren Keilereien hingaben. Sportlich hatten die Rangers der Dominanz der Devils nichts entgegen zu setzen und verloren auch in dieser Höhe verdient mit 5-0.
Den anschließenden Abend ließen die Teilnehmer bei einem guten Essen und dem ein oder anderen Getränk ausklingen.
Eine wieder einmal erlebnisreiche NHL-Reise ging zu Ende. Wir bedanken uns bei den Teilnehmern für ihre Geduld, wenn einmal etwas nicht so klappte und hoffen auf ein baldiges Wiedersehen. Wie immer gilt ein besonderer Dank Frau Bettina Stratmann vom Reisebüro Centralflug in Nürnberg, die unsere Reisevorbereitungen in organisatorischen Dingen bestens unterstützt hat.
Alle Fotos von Teilnehmern und der Redaktion.
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