Bin gekommen, um zu bleiben!

Interview mit Alexander Sulzer (Vancouver Canucks)
von Andreas Flierl

Ein seltenes Bild: Alexander Sulzer mit dem Trikot der Canucks im Einsatz.

Den 15.Juni 2011 möchte unser Redakteur Andreas Flierl am liebsten komplett aus dem Kalender streichen. Bostons Verteidiger Zdeno Chara stemmt den Stanley Cup in die Höhe und nicht Vancouvers Daniel Sedin.
Die 4-0 Niederlage im entscheidenden siebten Spiel im Stanley Cup Finale war zwar klar und verdient, schmerzte aber umso mehr, weil die Vancouver Canucks in der gesamten Finalserie nicht ihr Potential abriefen. Dass diese Niederlage Änderungen im Kader mit sich bringen würde war nun zu erwarten. Für die deutschen Eishockeyfans wurden die West-Kanadier durch die Verpflichtung von Marco Sturm und Alexander Sulzer aber doch sehr interessant.
Während es Marco Sturm – bis zu seinem Wechsel nach Florida – in die Stammformation der Canucks schaffte, wurde Verteidiger Alexander Sulzer immer wieder am Spieltag nicht für den Kader nominiert. Nur fünf Spiele durfte der gebürtige Kaufbeurer bisher absolvieren und stand immer wieder auf der Liste der „Scratched Players“ (Spieler die im Kader stehen, jedoch am Spieltag nicht nominiert werden).

Als nun auch noch am 01.12. die Canucks in der heimischen ROGERS-ARENA, nach einer zwischenzeitlichen 5-3 Führung, das Spiel gegen die Nashville Predators mit 5-6 verloren, stieg die Hoffnung, dass Alexander Sulzer gegen den Rivalen aus Calgary auf dem Eis steht, um die Verteidigung zu stärken. Den Spieler mit der Nummer 52 findet man allerdings beim Spiel drei Tage später nicht auf dem Spielberichtsbogen. Erneut wurde Alexander Sulzer gegen die Calgary Flames aus dem Kader gestrichen.
In einem sehr guten Spiel wurden die Flames mit 5-1 bezwungen und unser Redakteur traf sich tags darauf mit dem deutschen Nationalspieler nach der morgentlichen Trainingseinheit und stellte ihm ein paar Fragen zu seiner Situation:

Eishockey.com: Hallo Alexander, Du warst gerade nicht mit dem Team auf dem Eis, warum das denn?

Sulzer:Ein kleines Zwicken, nichts schlimmes. Nur will man vorsichtig sein, nicht dass es eine schlimmere Verletzung ergibt. Der Doktor schaut sich die ganze Sache einmal an, aber wie gesagt, nichts Schlimmes.

Eishockey.com: Im April 2011 sagtest du in einem Interview mit unserem Magazin, dass, Du gerne nach Vancouver gehen würdest, solltest Du die Wahl haben und dort auch spielen. Nun bist Du hier bei den Canucks, aber noch bist Du kein Stammspieler.

Sulzer:Ja, das ist richtig. Vancouver hat ein sehr gutes Team, die Stadt ist wunderschön und die kanadischen Fans einfach spitze. Hier in Kanada ist Eishockey das Thema Nummer 1. Die Kanadier lieben ihren Sport und ihr Team. Leider habe ich es noch nicht geschafft fest im Team zu stehen, doch Du kannst glauben, ich arbeite hart daran.

Eishockey.com: Es ist also bisher nur die Hälfte Deines „Wunsches“ in Erfüllung gegangen. Ist das ständige Steichen aus dem Kader nicht sehr enttäuschend?

Sulzer:Klar ist es das, man will ja spielen. Aber ich kenne nun seit langem das System hier und daher wusste ich vorher auf was ich mich eingelassen habe. Daher hält sich die Enttäuschung in Grenzen.

Eishockey.com: Wie ist das, wann und wie erfährt man, dass man nicht spielen wird?

Sulzer:Nach dem Training kommt der Trainer zu den Spielern und spricht mit Ihnen und erläutert kurz seine Entscheidung.

Eishockey.com: In dem Interview im April 2011 hast Du auch angesprochen, dass man sich nur durch ständiges Spielen verbessert und so Erfahrung gewinnt. Hast Du Dir schon Gedanken gemacht, von selbst auf die Verantwortlichen zu zugehen und vielleicht sogar den Wechsel ins AHL-Farmteam nach Chicago in Erwägung gezogen um Eiszeit zu bekommen?

Sulzer:Nein, habe ich nicht. Das System allgemein mit dem Wechseln ist doch sehr kompliziert und schließlich bin ich hier her gekommen um zu bleiben. Ich will mich durchsetzen und in der NHL spielen.

Eishockey.com: Hast Du Dir aber trotzdem schon Gedanken gemacht, wenn es hier überhaupt nicht klappt? Alternative DEL oder sogar KHL?

Sulzer:Die DEL wäre natürlich immer ein Thema, mit dem ich mich aber momentan überhaupt nicht beschäftige, zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht. KHL? Finanziell sicherlich äußerst lukrativ, aber ganz ehrlich, nach dem Flugzeugabsturz von Jaroslavl, ist das für mich absolut keine Alternative.

Eishockey.com: Du spielst Deine fünfte Saison nun in Nordamerika. Was vermisst Du als Bayer am meisten hier in Kanada, speziell jetzt zur Weihnachtszeit?

Sulzer:Da ich bereits sehr „amerikanisiert“ bin, vermisse ich eigentlich sehr wenig. Allerdings würde ich gerne meine Frau und meine Familie um mich haben. Da ich nur einen Einjahresvertrag besitze, wohne ich alleine in einem möblierten Appartement. Meine Frau ist nach wie vor in Nashville. Sie kommt in den nächsten Tagen, so dass wir die Feiertage zusammen verbringen. Da freue ich mich schon sehr darauf. Und erst ein paar Tagen habe ich in meinem Supermarkt eine „deutsche Ecke“ entdeckt. Da hatten sie deutsches Weihnachtsgebäck und ich hab mir ein paar Spekulatius-Plätzchen mitgenommen. Das darf man schon mal (grinst). Und ich habe gelesen, dass hier in Vancouver auch ein „German Weihnachtsmarkt“ ist. Den werde ich sicherlich noch mit meiner Frau besuchen.

Eishockey.com: Vielen Dank Alexander für das Interview, wir wünschen Dir und Deiner Familie ein frohes Weihnachtsfest und künftig viel Eiszeit … bei den Canucks.

Sulzer: Gerne, viele Grüße an die deutschen Eishockeyfans und gleichfalls wünsche ich allen schöne Feiertage. (af)

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