Kuznetsov hat den Durchbruch geschafft

Evgeny Kuznetsov hat in den vergangenen Tagen beeindruckende Auftritte hingelegt.

Er ist einer der zurzeit heißesten Spieler in der NHL. Innerhalb von acht Tagen machte er einen Riesensprung in der ligaweiten Scorerwertung und war einfach nicht zu stoppen. Nein, es ist nicht die Rede von Patrick Kane, er ist schon länger die unangefochtene Nummer 1 im Rennen um die Art Ross Trophy. Obwohl er in Russland geboren ist, handelt es sich auch nicht um St. Louis Blues Ausnahmestürmer Vladimir Tarasenko, der aktuell in der Scorerwertung Platz 6 innehat. Alex Ovechkin ist in jedem Spiel für Punkte gut, doch auch er konnte nicht mit seinem Landsmann und Teamkollegen mithalten.

Evgeny Kuznetsov heißt das Maß, an dem sich momentan alle Stürmer der Liga messen lassen müssen!

Der 23-jährige Center, den die Washington Capitals beim NHL Entry Draft 2010 an 26. Stelle gezogen haben, bestreitet zweifelsfrei seine Durchbruchsaison. Zum Ende der Spielzeit 2013/14 kam Kuznetsov von Traktor Chelyabinsk, für die er von der Jugend an gespielt hatte, aus der KHL in die US-Hauptstadt und zeigte keine Anpassungsschwierigkeiten. Bereits in seiner dritten NHL-Partie, die Vancouver Canucks waren am 14. März 2014 zu Gast im Verizon Center, konnte er drei Treffer vorbereiten und seinem Team zu einem 4-3 Sieg verhelfen obwohl er nur knapp zehn Minuten auf dem Eis gestanden war.

Ex-Capital Mike Green war damals begeistert von Kuznetsovs Auftritt: „Er ist in dem Alter, in dem man unbeschwert aufspielt und alles versucht, was man glaubt zu können. Er ist noch unerfahren, doch er hat schon gezeigt, dass er einmal ein großartiger Spieler werden kann.“

Seine Debüt-Saison schloss Kuznetsov mit drei Treffern und sechs Assists in 17 Partien ab. In der folgenden Spielzeit nahm seine durchschnittliche Punktausbeute von 0,53 auf 0,46 (80 Spiele, 11 Tore, 26 Assists) ab, doch in den anschließenden Playoffs konnte sich Kuznetsov als fünffacher Torschütze in 14 Spielen auszeichnen. Der junge Russe hat in der laufenden Spielzeit mehrmals bewiesen, dass er einer der besten Center in einer zweiten Sturmreihe ist. Am 20. Oktober gelangen ihm in Calgary gegen die Flames drei Vorlagen, drei Tage danach stellte er in Edmonton gegen die Oilers mit drei Toren und zwei Assists eine persönliche Bestmarke auf. Kuznetsov war anschließend überglücklich: „Das ist ein ungeheuerliches Gefühl. Ich muss mich bei meinen Mannschaftskameraden bedanken. Das wichtigste für mich ist, dass es mannschaftlich stimmt. Ich freue mich, dass es bei uns so gut läuft.“

Keinen Grund zu Beschwerden gab es auch in der Folgezeit. Bis zum Jahreswechsel gelangen ihm noch zwei 3-Punkte- und vier 2-Punkte-Spiele.

Im neuen Jahr begann Kuznetsov in sagenhafter und unglaublicher Manier zu zaubern, seine Vorstellungen in den letzten vier Begegnungen der Caps waren Weltklasse. Er kletterte mit zehn Scorerpunkten in diesen Partien auf Rang 4 unter die Topscorer der Liga und führt mit seinen nun 48 Zählern (15 Tore, 33 Assists) auch die teaminterne Scorerwertung der Capitals an.

Kuznetsov schafft es immer wieder seine Nebenleute wunderbar in Szene zu setzen und reißt diese mit. Justin Williams kann unter dessen Mithilfe an seine großen Zeiten 2005/06 und 2006/07 bei den Hurricanes anknüpfen, als ihm 31 bzw. 33 Treffer gelangen. In den bisherigen 46 Partien konnte der 34-jährige Rechtsaußen 16 Tore und 17 Assists verbuchen. Beim 5-2 Erfolg vor vier Tagen gegen die New York Rangers sollte Williams sogar sein zweiter NHL-Hattrick gelingen – seinen bis dahin einzigen hatte er im Oktober 2006 erzielt. An zwei von Williams drei Toren gegen die Rangers war Kuznetsov an der Vorarbeit beteiligt gewesen. Williams lobte hierfür auch seinen Nebenmann: „Es ist einfach zu treffen, wenn man so gut angespielt wird. Da reicht es den Schläger aufs Eis zu halten und er wird dich finden.“

48 Stunden nach dem Sieg über die Blueshirts durften sich die gut 12.000 Besucher in der Nationwide Arena von Columbus an einer weiteren Kuznetsov-Show erfreuen. Mit 6-3 Toren behielt Washington gegen die Blue Jackets die Oberhand und der russische Center war an vier Toren, zwei davon im Powerplay, beteiligt.

Es ist ein Genuss Kuznetsov am Puck zu sehen, zuzuschauen wie er das Spiel liest und dann im richtigen Moment die Scheibe abgibt. Sein Trainer Barry Trotz hat es vergangene Woche so beschrieben: „Ich garantiere, dass er sich beim nächsten Mal, wenn er sich in einer ähnlichen Situation befindet, wieder etwas neues einfallen lässt. Er tickt so und möchte nicht nur einen Trick auf Lager haben. Es muss ein Riesenvergnügen sein mit ihm zusammenzuspielen. Da könnte sogar ich noch ein Tor schießen, wenn ich eine Zeitlang mit ihm auf dem Eis stünde.“ Ein größeres Lob kann man sich als Spieler von seinem Trainer kaum vorstellen.

Dieser Artikel erscheint auch auf NHL.com/de

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