Kings bauen Siegesserie weiter aus

Es berichtet unser Redakteur Stefan Herget live aus Newark

Stanley Cup Finale Spiel 2
Los Angeles – New Jersey 2-1 OT (1-0/0-0/0-1/1-0)
(Serie 2-0)

Zwei Tage Pause zwischen Spiel 1 und 2 des Stanley Cup Finales sind eher ungewöhnlich und so war die Frage, wer diese Unterbrechung besser nutzen konnte. Beide Trainer Peter DeBoer und Darryl Sutter waren sich einig, dass sie lieber eher gespielt hätten, weil mehr Videoanalysen und Trainings in diesem Stadium auch nichts mehr bringen. Aber die Zeit des Wartens war am Samstagabend 20 Uhr Ortszeit vorbei. Zumindest erwarteten alle Experten ein besseres Spiel als noch am Mittwoch, wo beide Teams doch sehr nervös mit einigen Fehlern agierten. Selbst die meist übliche Ausrede von der schlechten Eisqualität wurde bemüht. Deswegen leisteten die Verantwortlichen im Prudential Center Schwerstarbeit, um diese Bedingungen zumindest zu verbessern und so für ideale Voraussetzungen für ein begeisterndes zweites Spiel zu sorgen.

Doch zunächst bot sich ein aus Spiel 1 gewohntes Bild. Die Devils zwar bemüht Aggressivität und Kampfgeist an den Tag zu legen, aber die Kings standen von Beginn an wieder defensiv gut und ließen durch ihr Zweikampfverhalten nichts anbrennen. Selbst die erste Strafzeit gegen Matt Greene überstanden sie problemlos. Dann der nächste Schock für die Gastgeber und ihre Fans. Aus Verzweiflung während des fliegenden Wechsels seiner Kollegen keinen Anspielpartner zu finden, tankte sich Drew Doughty(8.) vom eigenen Drittel startend über das ganze Feld weitgehend unbedrängt durch und konnte mit einem trockenen Schuss von halbrechts an den langen Innenpfosten und rein, zum 1-0 einnetzen. Nur sieben Sekunden später hatte New Jersey erneut Überzahl, konnte sich dabei erste gefährliche Chancen erarbeiten, aber der Puck wollte, ebenso wie bei einigen schönen Spielzügen in der 13. Minute nicht an Jonathan Quick vorbei. Fast hätte im Gegenzug Mike Richards auf 2-0 erhöhen können, aber Martin Brodeur gab ihm freistehend vor dem Tor keine Lücke. Da die Devils keine weitere zwingende Aktion zeigen konnten, mussten sie erneut mit einem Rückstand in die erste Pause gehen. Die Gäste hatten es wieder geschafft, dem Heimteam den Anfangsschwung zu nehmen. Immerhin konnten diese mit zehn Torschüssen Quick doppelt so häufig prüfen als im ersten Spiel.

Das Bild änderte sich zu Wiederbeginn kaum. Die Devils bissen sich an dem guten Forechecking und intensiven Körperspiel der Kalifornier immer wieder die Zähne aus. Mit Schwung aus der Kabine kommen? Erneut Fehlanzeige! Erst nach gut fünf Minuten die ersten nennenswerten Gelegenheiten der Gastgeber, während die Kings durch ihre Vorstöße Nadelstiche setzten. Los Angeles machte im ersten Powerplay seiner schlechten Statistik in diesem Bereich aller Ehren wert, weil sich in dieser Phase Kontrahent Zach Parise hervorragend vorbereitet von Travis Zajac noch die beste Einschussmöglichkeit bot. Zwei Minuten nach Ablauf konnten sich die Devils wieder mit einem Mann mehr versuchen, aber die beste Möglichkeit wehrte Quick reaktionsschnell ab, als sein Verteidiger Rod Scuderi beim Klärungsversuch jemanden anschoss und die Scheibe Richtung Tor sprang. Die Überzahl verlief so enttäuschend, dass es aus dem Publikum erste Buhrufe gab. New Jersey ließ weiterhin spielerische Kreativität vermissen und versuchte sich mit Torschüssen, die entweder zu ungenau waren oder nur mit Glück ihr Ziel gefunden hätten. Los Angeles hatte sogar meist die besseren Antworten parat, weil sie in der gegnerischen Zone häufig freizügig bewegen konnten. Der bescheidene Auftritt ihrer Mannschaft drückte die Stimmung in der Arena deutlich hörbar, auch wenn einzelne Fangruppen versuchten, anzufeuern.

Die ersten Möglichkeiten des dritten Drittels gehörten erneut den Kings, doch dann fand ein Schuss von Marek Zidlicky endlich seinen Weg ins Netz, weil Ryan Carter(43.) ihn unhaltbar abfälschte. Der 1-1 Ausgleich schien die Devils zu beflügeln und die Verzweiflung der Fans auf den Rängen war gewichen. Bereits im nächsten Angriff wäre fast das 2-1 gefallen, aber ebenso auf der anderen Seite blieben die Kings durch ihre Konter gefährlich. Man merkte, dass die Partie nun in eine wichtige Phase ging, denn die Intensität und der Kampf um jeden Meter nahmen zu. Trotzdem schenkten sich beide Teams nichts und die wirklich großen Chancen fehlten. Das Manko lag eindeutig auf Seite der Hausherren, die unbedingt das Tor benötigten, während die Gäste lauern konnten. Drei Minuten vor dem Ende heimste sich Dainius Zubrus eine dumme Strafzeit wegen Behinderung ein und 50 Sekunden später folgte Doughty, der die Verhältnisse wieder gleich rückte. 18 Sekunden vor dem vermeintlichen Ende trat Ilya Kovalchuk erstmal richtig in Erscheinung, als Dustin Brown den Puck vor das eigene Gehäuse schob, der Russe aber die ungewollte Vorlage des Gegners mit einem Lattentreffer ungenutzt ließ und so für eine weitere Verlängerung sorgte. Zum ersten Mal seit 1951 gingen damit sowohl die erste als auch die zweite Begegnung des Stanley Cup Finales in die Overtime.

Los Angeles hatten den besseren Beginn und Brodeur musste einige Male eingreifen. Glück hatte der kanadische Schlussmann als ihm die Scheibe bei einem Schuss von Doughty durch die Beine rutschte, aber auch rechts am Tor vorbei. Nur eine Minute später waren die Devils knapp dran, doch Zubrus traf freistehend den Puck nicht richtig. Nur drei Minuten später, die Kings hatten sich zuvor in der gegnerischen Zone festgesetzt, verpasste ein Schuss von ihm nur knapp sein Ziel. Es war der Auftakt einer Drangphase von New Jersey. Diese verflachte aber wieder schnell. Die Kings erzwangen schließlich die Entscheidung in der 74. Minute. Zunächst konnte Brodeur noch abwehren, aber Jeff Carter schnappte sich den Puck an der Seite des Tores erneut, umkurvte die Verteidiger und schoss zum Siegtreffer ein.

Unglaublich, dass Los Angeles auch sein zehntes Auswärtsspiel in den diesjährigen Playoffs erneut siegreich gestalten konnte und einen großen Schritt zum ersten Stanley Cup Gewinn gemacht hat. Erst zwei Mal in der Geschichte des Cups sind Teams noch gescheitert die auswärts die beiden ersten Partien für sich entscheiden konnten – 1942 und 1966 jeweils die Detroit Red Wings. New Jersey wird sich erheblich steigern müssen, um dieses Kunststück von den Toronto Maple Leafs bzw. den Montreal Canadiens zu wiederholen.

Übersicht der Playoffrunden

Spielstatistiken der Partien auf NHL.com/de.

11 Gedanken zu „Kings bauen Siegesserie weiter aus

  1. Danke Stefan für den wiederum genialen Spielbericht. Habe mir das Spiel (welches ich aufgenommen habe) soeben angeschaut und teile deine Ansicht des Spiels voll und ganz. Da muss eindeutig mehr kommen von den Devils, allen voran die ersten beiden Blöcke spielen nie und nimmer das was man von ihnen erwarten kann.

    1. Danke. Ich habe da nur meine Zweifel, dass sich was ändert, wenn der Trainer nach dem Spiel sagt, sie hätten heute so gespielt wie er es sich vorgestellt hat und eine gute Reaktion gezeigt, nur leider die Tore nicht gemacht. Tut mir leid, aber da macht er es sich zu einfach. Den Devils fehlte einfach erneut der Biss das Spiel gewinnen zu wollen und wenn da die Erkenntnis fehlt, wird es schwierig werden in L.A. die Wende zu schaffen. Aber wir werden sehen, denn was intern abläuft, bekommt man ja nicht mit.

    2. Das ist wahr in Hinsicht auf Block eins und zwei! Kovalchuk ist die reinste Enttäuschung in meinen Augen. Wenn er mal einigermaßen an der Scheibe ist, dann blitzt schonmal Qualität auf, die er auf jeden Fall besitzt, aber das kommt einfach zu selten vor, weil er meist dann Scuderi gegenübersteht, der einfach ein so geniales Stellungsspiel und Stickhandling hat, dass Kovi gar nicht erst an die Scheibe kommt.

      1. Ich hatte ja Kovalchuk in meinem Bericht vor zwei Wochen noch gelobt, aber was der hier abliefert, ist eines Führungsspielers nicht würdig. Auffallend ist, dass er in einigen Situationen immer die Verantwortung, sprich den Puck, weiterschiebt, ohne selbst einmal etwas zu machen. Und seine Chance ein paar Sekunden vor Schluss muss er einfach machen.

  2. Danke für einen erneut wunderbaren Bericht. Wieder hab ich das Spiel gesehen und bin jetzt sehr zuversichtlich, dass die Kings die große Vase vielleicht sogar im Staples Center entgegen nehmen könnte. Ich finde, sie haben es sich jetzt mehr als verdient, denn wer eine so unglaubliche Serie hinlegt und dann noch als schlechtesten Team aus dem Westen sich so in’s Finale durchtankt, der muss sich den Cup einfach holen. Auf diesen Moment warte ich und sicher viele viele anderen Kings-Fans schon eine halbe Ewigkeit! Danke Darryl Sutter für die Worte, die du scheinbar gefunden hast um die volle Leistungsfähigkeit von jedem einzelnen Spieler abzurufen, was während der Regular Season eindeutig nicht der Fall war!

    GO KINGS!

  3. Habe mir auch gerade Game 2 als Aufzeichnung angesehen und muß sagen das die Devils nicht annähernd das spielen was sie noch eine Runde zuvor gegen NY gezeigt haben.Mal abgesehen davon das Brodeur jetzt sicherer agiert als noch gegen die Rangers ist sonst nicht viel zu sehen vom Heimteam. Auch ist mir aufgefallen das die Fans in NJ nicht gerade finaltauglich sind.In den Saisonspielen ist ja da schon gewohnt nicht sehr viel los aber in den Finalspielen kann man doch mal ein bißchen mehr Gas geben oder? Ich denke die Mannschaft könnte die Unterstützung sicher gut gebrauchen.
    Zumahl es sein könnte das die Fans erstmal keine Playofffinalspiele mehr in dieser Serie sehen werden.Auch in den nächsten Jahren nicht mehr.Außer sie fahren kurz mal rüber nach Manhattan…..
    Wenn ich mich auf das Tippspiel hier auf dieser Seite beziehe würde ich schon fast meinen das LA die Serie mit 4:0 gewinnen kann.Auch wenn es natürlich jetzt leichter fällt das zu sagen als am Anfang der Serie.
    Was man in den Playoffs sehen kann ist das nach wie vor Mannschaften die devensiv hinten sehr sicher stehen weiterhin viel Erfolg damit haben. LA spielt in diesen Finalspielen eher einen sehr langweiligen Stil. Im letzten Jahr haben sie mir vom spielerischen da eher besser gefallen.Sie haben es aber in den letzten Jahren geschafft ein Team aus jungen Spielern aufzubauen und dieses Team wurde dann nach und nach gezielt verstärkt.In diesem Jahr hat man sich da mal eine komplette Reihe von den Flyers ertauscht und somit die gewisse Erfahrung und vor allen Dingen die benötigten Scorer ins Team geholt.Ich denke das wird auch in gewisser Weise in Zukunft den Erfolg bringen.Ein Team aufbauen mit guten gedrafteten Spielern. Dann den ein oder anderen Leistungsträger ertauschen oder ebend einkaufen. Eine eher defensive und körperbetonte Spielweise an den Tag legen und dann aber geziehlt das Tempo anziehen und die benötigten Tore erzielen.Ein sehr wichtiger Baustein in diesem System ist der Torhüter.Der muß eine absolute Bank im Tor sein.Das sieht man in dieser Serie hier.Quick spielt in dieser Saison und gerade in den Playoffs bisher hervorragend und wird auch meiner Meinung nach MVP.Es bringt nichts wie am Beispiel der Pinguine vorne die besten Scorer zu haben wenn es hinten bei jedem zweiten Schuss hinten einschlägt………..
    Obwohl die Serie gegen die Flyers sicherlich zu den attraktivsten Spielen aus der Sicht der Fans gehörte.Viel Toraktion.
    Ich denke Mannschaften wie z.B. die Red Wings haben dann ausgedient. Mannschaften wie die Rangers oder auch Bosten gehen da die richtigen Wege. Starke Goalies,intensive körperliche Spielweise und vorne knipsen die Leute auch regelmäßig.In dieser Reihe würde ich normalerweise auch Buffalo dazu zählen nur in dieser Saison haben sie das nicht so auf den Schirm bekommen.
    Na ja, wollen ,mal sehen was die restlichen Finalspiele so noch bringen.
    Ich bin gespannt.

    Sonst wieder einmal ein super Bericht von Dir Stefan.Es deckt sich wirklich so wie das Spiel verlaufen ist.Für alle die nicht in den Genuss kommen sich die Spiele via ESPN oder Internet anschauen zu können sei gesagt das diese Leute hier absolut bestens über die Spiele auf dieser Seite informiert werden.

  4. Auch wenn ich, vor allem mit den ersten beiden Blöcken der Devils, nicht zufrieden bin, so wird hier meines Erachtens zu eindeutig „für“ die Kings geschrieben. Es ist keineswegs so, dass die Kings in den beiden Games das bessere Team waren, vielmehr sind sie das Team welches zur Zeit auch das nötige Glück hat. Beide Spiele im Prudencial hätten auch zu Gunsten der Devils ausfallen können. Was wäre wohl dann der Tenor der Medien und Kritiker gewesen welche jetzt nur noch Negatives sehen im Team von DeBoer?
    Ich traue den Devils absolut zu, dass sie die beiden nächsten Spiele im Westen gewinnen und die Serie wieder ausgleichen. Vielleicht kippt ja das nötige quentchen Glück mal auf die andere Seite?

    1. Du hast sicher recht, dass die Spiele auch anders hätten ausgehen können und die Medien sehr schnell in die eine oder andere Richtung schwenken. Das bekomme ich vor Ort hautnah mit. Darum muss man das schon relativieren, aber Fakt ist, dass die Kings meiner Meinung nach nicht nur defensiv gut standen, sondern in beiden Partien auch die besseren Chancen hatten, nur sind sie nicht gerade Goalgetter. Von den Devils muss endlich eine Antwort her mit mehr Aggressivität und Kampf. Aufgrund der Situation war mir das in Spiel 2 eindeutig zu wenig. Und da hilft auch nichts zu sagen, es hätte anders herum auch ausgehen können. Ist es aber nicht und das muss man dann auch mal erzwingen.

          1. ohhhh…wie ich dich darum beneide ;-). Ich habe gesehen, dass auf ebay einer 4 Tickets Reihe 4 für Spiel 6 bereits für über 17’000 $ angebietet (also über 4000 $ für 1 Ticket…Wahnsinn!!!).

            Nun denn, dann freuen wir uns hier auf weiterhin so tolle und umfassende Spielberichte von dir Stefan :-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *