Niklas Backstrom (berücksichtigt sind die Spiele vom 02.04. bis 08.04.)
Späte Chance genutzt
Dass sich ein ungedrafteter Spieler in der besten Eishockeyliga der Welt durchsetzen kann, ist eher selten. Dass es ein Spieler schafft sich im 'hohen' Alter von 29 Jahren zu einem Topmann der NHL zu entwickeln, ist noch seltener. Doch nach Abschluss der Saison 2006-07 ist klar, dass mit Niklas Backstrom genau er es geschafft hat, beide Gesetze außer Kraft zu setzen. Seine Saisonleistung weist ihn mit nur acht Niederlagen in 41 Partien bei einem Gegentorschnitt von 1,97 Treffer pro Spiel und einer Fangquote von 92,9 Prozent unter den besten Torhütern der NHL aus. Mehr noch: In der Kategorie Gegentorschnitt und Fangquote liegt er vor Martin Brodeur, vor Dominik Hasek und vor Marty Turco oder wie die Stars alle heißen, denn Backstrom belegt hier Rang 1 in der Statistik. Kein Wunder also, dass es auch an dem Finnen lag, dass die Minnesota Wild mit 195 Gegetreffer die Wenigsten der Liga kassierten und deswegen Niklas Backstrom zusammen mit dem zuletzt verletzten und der eigentlichen Nummer 1 Manny Fernandez, die Jennings Trophy für das Torhüterpaar, welches die wenigsten Gegentore zuließ, ausgezeichnet werden.
Den Grundstein zu diesem Erfolg legte der 29-jährige Finne in der letzten Woche. Drei Partien standen für seine Minnesota Wild zum Abschluss der regulären Saison auf dem Programm und alle drei wurden gewonnen. Zwar waren mit zweimal den Edmonton Oilers, sowie den St. Louis Blues Mannschaften Gegner, welche die Playoff-Qualifikation bereits verpasst hatten, doch insgesamt 70 Saves und nur ein Gegentreffer muss auch erst einmal erreicht werden. Backstrom ließ bei zwei 3-0 Erfolgen gegen die Oilers am Dienstag und Donnerstag seine Saison Shutouts Nummer 4 und 5 folgen, indem er 25 bzw. 22 Torschüsse der Gegner abwehrte. Mit 169 Minuten und 20 Sekunden ohne Gegentor bis zum Treffer von Blues Peter Sejna stellte der Schlussmann einen neuen Franchise-Rekord auf. Die Begegnung gegen die St. Louis Blues wurde schließlich mit 5-1 gewonnen.
"Er ist unglaublich konstant", lobte ihn dann auch sein Trainer Jacques Lemaire nach der Partie entsprechend. "Die Jungs haben sehr viel Vertrauen in ihn und das beflügelt die komplette Mannschaft." In seiner ersten NHL-Saison, in einem schon fortgeschrittenen Eishockey-Alter, wirkt Niklas Backstrom schon sehr abgebrüht. Vielleicht ist es gerade diese Routine und Erfahrung aus seinen jahrelang konstanten Leistungen in der finnischen Liga, die ihm hierbei zu Gute kommen. Mal sehen, was die nahe Zukunft bringt und ob die Nummer 32 der Wild seine sehr guten Auftritte auch in den Playoffs kompensieren kann. Nicht zuletzt kommt es da häufig auf den Torhüter an, ob das Team eine Runde weiter kommt oder nicht. "Man darf nicht so viele Gedanken daran verschwenden, was in der Vergangenheit passiert ist", betont Backstrom sehr allgemeingültig. "Da ist immer das nächste Spiel, das auf dich wartet und dich herausfordert."
Wenn er schafft diese Lebensweisheit umzusetzen, dann kann er die Minnesota Wild weit bringen. Aber so entscheidend die kommenden Playoffs auch für den Moment sein mögen, umso mehr hat die Franchise in Niklas Backstrom einen Diamanten geschürft, der ihnen in Zukunft noch viel Freude bereiten könnte. Schließlich liegen auch mit bereits 29 Jahren noch einige Spielzeiten vor ihm. Unbestritten ist aber auch, dass der Erwartungsdruck in ihn stärker werden wird und damit umzugehen, steht wiederum auf einem anderen Blatt Papier. Ein erster Schritt vorwärts oder rückwärts werden jedoch die kommenden Playoffs sein.
NHL-Karrierestatistik
Saison Team SP S N U SV% SO
2006-07 Min 41 23 8 6 95,6 5
Kurzbiographie: Niklas Backstrom wurde am 13. Februar 1978 in der finnischen Hauptstadt Helsinki geboren. Seinen Einstieg in die Profikarriere fand bei HIFK Helsinki statt, doch bis ins Jahr 2000 kam er nicht über den Status eines Backups hinaus. Erst nach seinen Wechseln zu SaiPa und zum schwedischen Team AIK Solna 2001, bekam er die Eiszeit, um sich zu behaupten. Der Durchbruch in Finnland gelang ihm 2002 mit dem Wechsel zu Karpat Oulu, mit denen er 2004 und 2005 die finnische Meisterschaft gewann. In den dortigen vier Spielzeiten verbuchte er 18 Shutouts und sein Gegentorschnitt lag nie über 2,17. Nachdem er 2005 bei der Weltmeisterschaft erstmals für Finnaland spielen durfte, blieb ihm 2006 beim Gewinn der Silbermedaille bei Olympia und dem Gewinn der Bronzemedaille bei der anschließenden WM trotz Nominierung nur die Zuschauerrolle. Trotzdem verpflichteten ihn die Minnesota Wild am 1. Juni 2006 als ungedrafteten Free Agent. (sth)
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