NHL-Eishockeymagazin
 berichte - hintergrund

>> Titelseite

>> Berichte
>> aktuell
>> hintergrund

>> Vereine

>> Fanspiele

>> Service

>> Statistik

>> Gerüchte

nr.72 / feb. 2004 

ANZEIGE

TEAMREPORT
 
Begeisterung sofort, Erfolg erst viel später
Die Geschichte der Tampa Bay Lightning

von Robin Patzwaldt

Phil Esposito, hier als Blackhawk, wurde Tampas erster GM

Endlich richtig Fuß gefasst zu haben scheint in der NHL eine Franchise die lange Zeit ein Schattendasein fristete und erst jetzt langsam so richtig aufzublühen scheint: die Tampa Bay Lightning.
Bereits seit der Saison 1992/93 am Spielbetrieb teilnehmend, beginnt man eigentlich erst jetzt erste Früchte der harten Arbeit zu ernten und erste größere Beachtung in einer großen Öffentlichkeit zu finden.

Vor Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts erschien Profieishockey in Florida fast noch undenkbar. Doch im Zuge der Süderweiterung der NHL gab die Liga im Jahre 1989 schließlich bekannt, dass nun auch in Florida eine NHL-Franchise platziert werden solle. Das Mitglied der Hall of Fame, Phil Esposito, wurde im Frühjahr 1990 mit der Aufgabe betraut, im Großraum Tampa - St. Petersburg ein weiteres Team aufzubauen.

Im Vorfeld der Planungen organisierte man zunächst ein Freundschaftsspiel zwischen den Pittsburgh Penguins und den Los Angeles Kings in der Region, um das Interesse an der Sportart abzuklopfen. Im Tampa Coliseum verfolgten schließlich 25.581 Zuschauer, was damals einen neuen Rekord bedeutete, dieses Spiel.

Durch diese gigantische Zahl beeindruckt, fand sich sofort ein Investor für eine neue Eishockeyhalle, direkt neben dem Tampa Bay Stadium.
Der Spielbetrieb des neuen Teams sollte zur Saison 1992/93 gestartet werden. Die Halle konnte so schnell jedoch nicht errichtet werden, weshalb das Team zunächst noch in der Expo Hall in Tampa ein provisorisches Heim finden musste.

Bereits zu Beginn ihrer Geschichte geriet die Tampa Bay-Franchise in Finanznot. Esposito, als erster General Manager, hatte des Öfteren arge Schwierigkeiten entstehende finanzielle Brandherde zu löschen. Mit einigen Mühen gelang es ihm aber, immer wieder den Fortgang der Franchise zu gewährleisten.

Wie schon Esposito trug auch Terry Crisp einmal die Farben der Bruins

Terry Crisp sollte der erste Headcoach der Lightning werden.
Tampa Bay führte sich in der Hockeywelt gleich mit einem geschickten Werbegag ein. Man verpflichtete als erstes Team eine Torhüterin, Manon Rheaume. Im September 1992 schrieb Rheaume Geschichte, als sie für ein Drittel lang das Tor der Lightning hütete und damit als erste Frau aktiv in das Geschehen einer der vier führenden Profiligen in Nordamerika eingriff. Im Rahmen dieses Vorbereitungsspiels gegen St. Louis konnte sie sieben Schüsse abwehren. Zu mehr Einsätzen sollte es aber nicht reichen. Immerhin bot man ihr im Anschluss einen Vertrag beim IHL-Ableger der Franchise in Atlanta an.

Das erste NHL-Spiel seiner Geschichte gewann Tampa Bay, vor 10.425 begeisterten Zuschauern in der ausverkauften Expo Hall, mit 7-3 gegen die Chicago Blackhawks. Chris Kontos, zuvor bei vielen NHL-Teams ausgemustert, überzeugte dabei mit vier Treffern für seine neue Mannschaft.

Brian Bradley

Im weiteren Saisonverlauf tat sich Brian Bradley hervor, der 42 Treffer und 44 Assists erreichen konnte.
Für das Team verlief die Spielzeit weit weniger erfreulich. Als Sechster in der Norris Division wurden die Playoffs deutlich verpasst.

Zur zweiten Spielzeit zog das Team nach St. Petersburg, in den 28.000 Zuschauern fassenden Suncoast Dome, den späteren Thunderdome, der aber eigentlich ein Baseballstadion war. Verstärkungen sollten zudem den Abstand auf die Playoffplätze verkleinern. Petr Klima, zuvor immer für 30 Saisontore gut, wurde aus Edmonton geholt. Beim Draft entschied man sich u.a. für Stürmer Chris Gratton.
Klima enttäuschte nicht und erreichte 1994 erneut 28 Saisontore. Auch Torhüter Daren Puppa entwickelte sich toll.

Zweifel an der Eignung der Region für NHL-Eishockey wurden endgültig verwischt, als am 9. Oktober 1993 27.227 Fans zur Saisoneröffnung gegen die Florida Panthers strömten. Damals neuer NHL-Rekord! Der Saisonschnitt lag bei 19.656 Zuschauern, allerdings waren viele Freikarten und Sonderangebote darunter, was die finanziellen Sorgen der Franchise erhalten sollte. Erst in der Saison 1995-96 sollte das Kunststück gelingen in die Playoffs zu kommen.
Kapitän Paul Ysebaert, Roman Hamrlik und Puppa bildeten das Gerippe einer erstmals wirklich konkurrenzfähigen Truppe in Tampa.
Coach Terry Crisp musste dann allerdings das schnelle Ausscheiden in der ersten Runde gegen die Philadelphia Flyers mit ansehen.
Bei der 2-4 Serienniederlage setzten die Jungs aus Florida aber erneut einen Zuschauerrekord. Das Heimspiel am 23. April gegen die Flyers verfolgten 28.183 Zuschauer.
Eine weitere positive Schlagzeile erreichte das Team. Der Bau der eigenen Halle war endlich abgeschlossen. Pünktlich zur Saison 1996-97 konnte der Ice Palace in Tampa bezogen werden. 20.543 Zuschauer verfolgten dort live die Saisoneröffnung gegen die New York Rangers.

Ein Schuldenberg von inzwischen über 50 Mio. Dollar veranlasste die bisherige Investorengemeinschaft, mehrheitlich unter japanischer Kontrolle, die Franchise zum Verkauf anzubieten.
Dies erwies sich jedoch als recht schwierig. Verhandlungen mit verschiedenen Interessenten zogen sich über Monate und endeten schließlich erfolglos.
Darunter litten auch die sportlichen Erfolge des Teams. Es ging steil abwärts für die junge Franchise.

Weitere Infos zum Team

Trainer wurden reihenweise getauscht. Esposito feuerte Terry Crisp ebenso wie Rick Peterson. Lediglich Torhüter Puppa blieb als Konstante erhalten. Als auch er verletzungsbedingt über längere Zeit passen musste, rutschte man bis auf die katastrophale Bilanz von lediglich 17 Saisonsiegen, bei gleichzeitig 55 Niederlagen. Damit war man sogar schlechter als in der ersten Saison als Expansionsteam.
Schließlich schaltete sich sogar der Comissioner der NHL, Gary Bettmann, in die Geschicke der Franchise ein, in dem er sich über die Zustände öffentlich beklagte und einen neuen Eigentümer quasi forderte.
Letztendlich erwarb Art Williams, der sein Vermögen in der Versicherungsbranche verdiente, die Franchise im Juni 1998.

Im Draft des Jahres 1998 entschied man sich für Vincent Lecavalier, welcher die noch kommenden Erfolge der Lightning maßgeblich beeinflussen sollte. Sportlich krankte aber das Team zunächst weiterhin. Williams feuerte auch Esposito und beförderte Jacques Demers vom Coach zum GM.
Auch Williams verlor rasch den Spaß an der Mannschaft und verkaufte sie Ende des Jahres an Bill Davidson, dem bereits einige Profisportteams in den USA gehörten. Unter anderem nannte er die Detroit Pistons und die Detroit Vipers sein Eigen.
Dudley holte Steve Ludzig aus Detroit und machte ihn zum neuen Headcoach für die nächste Saison. Trotz all dieser Wechsel wurden die Lightning erst der dritte Club in der Geschichte der NHL der drei Jahre in Folge jeweils mehr als 50 Niederlagen kassieren musste. Lecavalier wurde zur Saison 1999-2000 der jüngste Kapitän eines NHL-Teams in der Geschichte. Er entwickelte sich im Gegensatz zum Team überaus positiv.

Darren Puppa - lange Zeit die Nummer eins bei den Lightning

Verletzungspech gestattete allerdings auch im Jahr 2000 noch keine Verbesserung. Im Gegenteil! Bedingt auch durch einen ständigen Wechsel auf der Torhüterposition (im Saisonverlauf wurden sechs(!) verschiedene Keeper eingesetzt) rutschte man auf den vorletzten Platz in der Liga. Lediglich das Expansionsteam aus Atlanta war noch schlechter.

Weitere Wechsel auf Schlüsselpositionen waren also erforderlich, um die Geduld der Fans nicht über zu strapazieren.
Folgerichtig verpflichtete man mit Torhüter Nikolai Khabibulin, der sich zuvor mit den Phoenix Coyotes überworfen hatte, einen starken Torhüter. Nicht ohne Risiko, hatte dieser doch schon lange keine Matchpraxis mehr. GM Feaster sah das aber durchweg positiv: "Wenn man die Möglichkeit hat, einen solchen Klassemann zu holen, der zwei Jahre lang nicht mehr in der Liga aktiv war, kann man doch keinen motivierteren Spieler bekommen als diesen."
Und er sollte Recht behalten. Der Nachfolger von Kevin Weekes konnte voll überzeugen und stellt bis zum heutigen Tage für die Gegner scheinbar eine unüberwindliche "Mauer" dar.

In kleinen Schritten entwickelte sich das Team vorwärts. Seit dem Katastrophenjahr 1998 steigerte sich das Team von Saison zu Saison. Belohnung für die Geduld war schließlich die Playoffteilnahme im letzten Sommer. Man gewann nicht nur die South-East-Division, sondern überzeugte auch in der KO-Runde. Unter dem neuen Coach John Tortorella, der 2001 Nachfolger von Ludzik wurde, überraschte man nicht nur den Divisionskonkurrenten aus Washington mit 4-2 Siegen, sondern konnte auch im Duell gegen den späteren Titelträger aus New Jersey über weite Phasen gut mithalten und viel Anerkennung gewinnen. Vom Ergebnis her unterlag man letztlich deutlich mit 1-4.

Bleibt zu hoffen, dass das Erreichte diesmal noch etwas ausgebaut werden kann und nicht so schnell wieder verrinnt, wie nach der letzten Playoff-Qualifikation im Jahre 1996. Dem jungen ambitionierten Team und den zahlreichen Fans in der Region wäre es zu gönnen, denn Geduld haben sie ja schon lange genug haben müssen... (rp)

ANZEIGE

 

(C) eishockey.com, Sports Media & Entertainment GmbH