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nr.59 / dez. 2002 

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TEAMREPORT
 
Glanz der Vergangenheit und die Zukunft ungeklärt
Die Geschichte der Edmonton Oilers

von Robin Patzwaldt

Im Frühjahr des Jahres 1998 war die Zukunft der Edmonton Oilers völlig ungeklärt. Das Team stand zum Verkauf. In letzter Minute gelang es dies zu verhindern. Eine 37-köpfige Investorengruppe übernahm die angeschlagene Franchise. Mit Beginn der Saison 2000-01 begann eine neue Ära. Erstmals ging man ohne Glen Sather, den Macher der Oilers, in eine NHL-Saison.
Sather stand dem Team seit 1976 als General Manager und zeitweilig als Coach zur Verfügung. Er machten den Club seinerzeit rasch zu einer der führenden Adressen der NHL. Am Ende seiner Zeit, bei den inzwischen stark kränkelnden Oilers, verließ er den Club Richtung New York. Er wechselte zu den Rangers. Aber was geschah während seiner Regentschaft alles in Edmonton? Das Team schrieb NHL-Geschichte! Der Reihe nach.....

Die Geschichte der Oilers beginnt 1972 in der WHA, einer damals aus 12 Teams bestehenden Konkurrenzliga zur NHL.
1977-78 bot die NHL sechs Teams der WHA den Wechsel in die NHL an. Neben Edmonton würde man auch Quebec, Hartford, Winnipeg, Houston und Cincinatti, für eine Eintrittsgebühr von $2,9 Mio. im Kreise der NHL-Teams willkommen heißen, hieß es damals. Am Widerstand der Toronto Maple Leafs, in Gestalt von Eigentümer Harold Ballard, sollte das Vorhaben aber zunächst scheitern. Der Konkurrenzkampf der beiden Ligen ging so noch eine Weile weiter.

In Edmonton für immer verewigt.

Zu Beginn der Saison 1978-79 gab das WHA-Team aus Edmonton die Verpflichtung eines vielbeachteten Talents bekannt: Sein Name war Wayne Gretzky.
Er kam von den Indianapolis Racers und sollte der bedeutendste Spieler der Franchise, und wohl des gesamten Welteishockeys, bis zum heutigen Tage werden. Das Schicksal der Oilers war und ist eng verknüpft mit seiner Person.
Der Vertrag mit Gretzky wurde am 26. Januar 1979 auf dem Eis, vor über 12.000 Zuschauern, geschlossen. Es war Gretzkys 18. Geburtstag.

In dieser Zeit beschloss nun auch die NHL, mit 14 zu drei Stimmen, was man in der Vorsaison noch nicht umsetzen konnte, nämlich die Aufnahme der WHA-Teams zur folgenden Spielzeit. Der Betrag der zum Eintritt an die NHL entrichtet werden musste, wurde nun auf $6 Mio. taxiert.
Edmonton beendete seine letzte WHA-Saison als punktbestes Team der Liga. Man wechselte die Liga also frohen Mutes und ging zuversichtlich dort an den Start.

Im Entry-Draft zur neuen, der ersten NHL-Saison der "Ölmänner", entschied man sich für einen gewissen Mark Messier, der zuletzt bei den Cincinnati Stingers in der WHA für Furore sorgte.
Die Oilers wurden in der Smythe Division platziert, zusammen mit den alten WHA-Weggefährten aus Winnipeg. Mit 137 Punkten in der Scorerwertung gelang es Gretzky gleich in der ersten Saison einen Rookie-Rekord aufzustellen.
Edmonton beendete die Spielzeit auf Platz vier in ihrer Division, scheiterte in den Playoffs aber an Philadelphia.

In der Saison 1980-81 feuerte man Coach Bryan Watson, nach erfolglosem Start, bereits nach nur 18 Spielen. Ersetzt wurde er durch GM Sather, der erstmals auch die Verantwortung an der Bande übernahm. Für Gretzky war es erneut eine sehr erfolgreiche Saison. Obwohl das Team in der Saison nicht sonderlich erfolgreich abschnitt, sicherte er sich 164 Scorerpunkte und gewann die Art Ross- und die Hart-Trophäe.

In der Folge wurde sein Vertrag auf die damalige Rekordsumme von 20 Mio$ Gage für die nächsten 15 Jahre angehoben, was ihn auch zum bestbezahlten Spieler der Liga machte.
Gretzky stellte Rekord um Rekord auf, seine Oilers kletterten in der Tabelle auf die Spitzenposition in der Smyth Division. Völlig überraschend scheiterte man aber diesmal in den Playoffs bereits in der ersten Runde am Außenseiter aus Los Angeles.

1982-83 sicherte sich Gretzky bereits zum dritten Mal in Folge den Titel als Scorerkönig der Liga. Auch die Oilers zeigten sich weiter auf dem Vormarsch. Als offensivstärkstes Team gelang es in das Finale um den Stanley-Cup einzuziehen. Dieser Anlauf auf die Trophäe scheiterte allerdings zunächst noch einmal an den, die Liga seit Jahren beherrschenden, Islanders aus New York.
Im Folgejahr war man dann allerdings erfolgreicher! 1983-84 siegten die Ölmänner im Finale um den Cup! Die Oilers brachen ihren eigenen Offensivrekord mit 446 Toren in der Saison und auch im Finale gelang es diesmal die Islanders in fünf Spielen zu bezwingen.

Das Ende der Ära der Islanders war gleichzeitig die Geburtsstunde der Dynastie der Mannen aus Edmonton. Es gelang ihnen den Titel zu verteidigen. Auch 1985 blieb der Cup in Edmonton. Diesmal setzte man sich gegen die Mannen aus Philadelphia im Finale durch.
Gretzky komplettierte die Dominanz der Kanadier mit seinem Playoff-Rekord von 47 Playoff-Scorerpunkten in nur 18 Spielen der KO-Runde.

Im Folgejahr sollte der Titel dann allerdings nicht mehr verteidigt werden können. Zwar spielte man erneut eine tolle Regular Season, unterlag aber in den Entscheidungsspielen den Calgary Flames. 1987 waren dann schlussendlich wieder die Oilers der Triumphator der Liga, man feierte den dritten Stanley Cup Sieg der Teamgeschichte nach einem Finalerfolg gegen die Flyers aus Philadelphia.

1987-88 sollte nicht die Saison der Oilers werden. Nicht nur der Abgang von Paul Coffey nach Pittsburgh war zu verkraften, auch Wayne Gretzky hatte verletzungsbedingt nicht sein stärkstes Jahr. Zwar überholte er Gordie Howe und wurde zum Führenden in der NHL-Assists-Wertung, doch fehlte er durch eine Knieverletzung häufiger. In der Smythe Division rutschte man so auf Platz zwei hinter Calgary, konnte dann aber in den Playoffs wieder überzeugen. Im Finale setzte man sich klar gegen Boston durch. Es war der vierte Triumph der Oilers binnen fünf Jahren! Gretzky sicherte sich die Conn Smyth Trophy mit beeindruckenden 43 Playoffpunkten. Die Hart Trophy ging allerdings diesmal an den Konkurrenten Mario Lemieux, was Gretzkys achtjährige Regentschaft als der Ligas Topspieler beendete.

Mark Messier und Wayne Gretzky - die Garanten für den Aufstieg der Oilers

Am 9. August 1988 sollte die Ära von Gretzky in Edmonton enden. An diesem Tag gab er seinen Wechsel zum Ligakonkurrenten Los Angeles Kings bekannt. Eben gegen diese Kings unterlagen die Oilers dann auch bereits in den folgenden Playoffs. 1989-90 übernahm John Muckler die Verantwortung auf der Oilers-Bank.

Am 15. Oktober 1989 sollte ein Gastauftritt Gretzkys mit seinen Los Angeles Kings in Edmonton erneut NHL-Geschichte schreiben. Ausgerechnet im Norden Albertas sollte Gretzky sein 1851. Tor in einer Regular Season gelingen. Damit übernahm er die alleinige Führung in dieser Wertung und verdrängte damit Hockeylegende Gordie Howe.
Trotz schwieriger Umstände gelang es den Oilers am Ende der Runde nochmals den Titel zu gewinnen. GM Sather tradete im Laufe dieser Saison den unzufriedenen Starspieler Jimmy Carson nach Detroit. Im Gegenzug erhielt man Joe Murphy, Adam Graves und Petr Klima. Die Drei sollten zu diesem Erfolg 1990 nicht unwesentlich beitragen. Goalie Bill Ranford erhielt die Conn Smyth Trophy. Bei der Siegerehrung widmete Messier diesen Cuperfolg dem nicht mehr im Team befindlichen Wayne Gretzky. Messier selber wurde mit der Hart Trophy ausgezeichnet.

Die Franchise sicherte sich also fünf Titel in sieben Jahren. Obwohl ständig Spieler wechselten blieb der Stamm des Teams um Wayne Gretzky, Mark Messier, Jari Kurri, Glen Anderson und Torhüterlegende Grant Fuhr lange Zeit konstant zusammen. Das war der Garant für die beeindruckenden Erfolge.

Dieser letzte Titel 1990 war aber auch zeitgleich das endgültige Ende der großen Oilers-Dynastie. Die Folgezeit erwies sich als sehr schwierig und der einst erfolgreiche Kader zerfiel nach und nach. Finanzielle Probleme traten in den Vordergrund.

Jari Kurri kehrte nach Europa zurück, nur zwei der ersten 15 Saisonspiele konnten gewonnen werden. Messier wurde vom Verletzungspech verfolgt und schlussendlich unterlag man in den POs gegen die Minnesota North Stars in sechs Spielen. Zur Saison 1991-92 ersetzte Ted Green Coach John Muckler, trotzdem waren die Oilers nur noch ein Schatten vergangener Tage. 1993 verpasste man wieder erstmals die Entscheidungsspiele um den Cup. Eigentümer Peter Pocklington kündigte den Umzug der Oilers nach Hamilton an, wozu es aber schlussendlich doch nicht kommen sollte.
Im Folgejahr wurde Edmonton an das Ende der neu formierten Pacific Division durchgereicht. Nur 25 Saisonsiege sollten dem Team gelingen.

Ron Low übernahm die Führung des Teams, aber auch jetzt sollten die Oilers nur einen Punkt vor dem Expansion-Team aus Anaheim die Saison abschließen können. Eine weitere ganz bittere Enttäuschung! 1995-96 verpasste das Team die Playoffs dann bereits zum vierten Mal in Folge.

Im September des Jahres 1996 sprach NHL-Comissioner Gary Bettman ein Machtwort: "Wenn der Ticketverkauf der Oilers nicht von zuletzt nur noch 6.800 Jahreskarten auf 13.000 Stück ansteigen würde, müsse das Team aus dem Förderplan der NHL für Kanadische Mannschaften gestrichen werden." Die treuen Fans des Teams reagierten prompt, und es gelang mit Mühe die Forderung der NHL zu erfüllen. Die Mannschaft belohnte ihre Anhängerschar mit einer deutlich verbesserten Saisonleistung. Man konnte sich als Drittplatzierter der Pacific-Division wieder für die Playoffs qualifizieren. Zwar konnte man dort sogar noch die Favoriten aus Dallas eliminieren, gegen die Übermacht der Colorado Avalanche war man dann aber chancenlos. Coach Ron Low wurde aber zur Belohnung für die Leistungssteigerung eine Vertragsverlängerung angeboten.

Unter der Führung von Doug Weight qualifizierte sich das Team auch 1998 erneut für die Playoffs. Zwar gelang es diesmal durch eine starke Vorstellung von Keeper Curtis Joseph die Franchise aus Denver zu bezwingen, das Abenteuer wurde aber diesmal von der Mannschaft aus Dallas in fünf Spielen gestoppt.
Startorwart Joseph konnte nicht länger gehalten werden, er ging anschließend nach Toronto zu den Maple Leafs. Sein Nachfolger sollte Tommy Salo von den New York Islanders werden.

Im Frühjahr 1999 und im Jahr 2000 scheiterte das Team abermals an den Dallas Stars. Unter dem neuen Coach, dem früheren Spieler, Kevin Lowe, begann die Saison 2000 zunächst ohne Torjäger Bill Guerin, der sich mit den Verantwortlichen nicht auf einen neuen Vertrag einigen konnte.

Der Verantwortliche der vergangenen Jahre, Glen Sather, verließ das sinkende Schiff und heuerte beim Ligakrösus in New York an. Die Oilers waren weiterhin in ernsten finanziellen Schwierigkeiten. Letztendlich gelang es der 37-köpfigen Investorengruppe nur mit Not die Oilers zu retten. Der frühere Spieler und Trainer des Teams Kevin Lowe sollte Sather beerben, der Ex-Spieler Craig Mac Tavish das Traineramt übernehmen.

Nachdem auch in der Folgesaison das Abenteuer KO-Runde all zu früh endete, konnte sich das Team in diesem Frühjahr erstmals wieder nicht qualifizieren. Allerdings scheiterte man nach hartem Kampf nur knapp an der Qualifikation.

Beunruhigender für die Fans muss allerdings die Tatsache sein, dass sich die Finanzsituation des Teams vor kurzem erneut sehr zuspitzte und ein erneutes Abwandern der Franchise nur durch eine weitere Finanzspritze der Gesellschafter verhindert werden konnte. Große Sprünge sind also auch in Zukunft nicht drin. Die Fans im heimischen Skyreach Center halten ihrem Team zwar nach wie vor die Treue, die Zukunft der Franchise scheint aber weiterhin völlig offen und ungesichert..... (rp)

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